„Ist das… schön! So vertraut und doch neu. Wirkt ein bisschen wie eine Mischung von Südfrankreich und Amerika.“ „Ja, irgendwie fühle ich mich einfach wohl! Und du?“ Diese ersten Eindrücke, der Geruch von Eukalyptusbäumen, eine warme Sommerbrise und das goldenste Licht der sich senkenden Sonne begleiten uns auf unserem Weg zu Adrians Haus. Wir sind angekommen in Australien, unserem Zuhause für das nächste Jahr – und auf dem Weg zu unserem ersten Couchsurfer!

Ich weiß, es ist schon etwas her, aber trotzdem wollte ich euch den Beginn unserer Liebe zu Australien nicht vorenthalten. Er soll hier auf dem Blog auch nicht fehlen, denn diese ersten Tage waren einfach etwas ganz Besonderes für uns!

Ankommen in Perth

Bevor wir uns abends auf den Weg zu Adrians Haus (unsere Couchsurfing-Unterkunft) etwas außerhalb von Perth machen, verbringen wir den Tag mit einer Freundin, die schon seit einer Weile in Perth wohnt. Wir laufen durch die Stadt und bestaunen die Skyline vom größten innerstädtischen Park der Welt aus (der später einer unserer Lieblingsplätze in Perth wird). Wir besorgen und eine australische Simkarte und stehen zum ersten Mal nach knapp zwei Monaten wieder in einem gut sortierten Supermarkt, der alle diese Sachen führt, die ich so liebe zuhause und die letzten Wochen vermisst habe.

Wir fühlen uns zum ersten Mal seit Beginn unserer Weltreise zu 100 Prozent wohl, angekommen und zuhause. Und dieses Gefühl hält an! Die ersten Tage erwähnen wir es immer wieder, weil wir es einfach nicht glauben können.

„Fühlst du dich auch so… gut?“

„Ja, ich weiß gar nicht was das genau ist. Ich bin einfach glücklich.“

„Ich auch! Ohne Grund! Einfach nur zufrieden und angekommen!“

Wir lachen vergnügt, weil es uns einfach gut geht. So gut!

Was ist es, was uns hier so gut tut?

Vermutlich viele Dinge. Alles ist neu, alles ist eigentlich fremd, aber alles kommt einem so vertraut vor. Es fühlt sich an wie zuhause, geborgen. Vielleicht weil es gleich aussieht?

Nach sieben Wochen Asien befinden wir uns wieder in einer Stadt mit geregeltem Verkehr und Luft, die man atmen kann. Mit öffentlichen Transportmitteln und festen Ticketpreisen und ganz vielen Hilfsbereiten Menschen, die einem weiter helfen, ohne einem dabei das Hotel ihres Bruders oder die Anzüge ihres Onkels zu verkaufen. Die Häuser und Straßen sehen aus wie zuhause, die Menschen sehen aus wie zuhause, es gibt keine Hektik, keinen Lärm, keinen Gestank.

Im ersten Moment sind wir positiv überrascht, dass alle unser Englisch so gut verstehen – keine Selbstverständlichkeit in den letzten Wochen – doch dann Gelächter, ist ja die Landessprache hier!

Ich bin witzigerweise überglücklich, als ich durch den Supermarkt laufe. Guck mal Adri, Gurken und Äpfel! Und Karotten, Kartoffeln! Und Hummus und Müsli und Reiswaffeln und Mandelmilch! Und es ist gar nicht so teuer!

Ich liebe meine Küche, kochen und gesunde Ernährung – und nach sieben Wochen dreimal am Tag auswärts essen, Reis oder Nudeln mit Gemüse, frittiert, gebraten, gekocht, kann ich es gar nicht glauben, endlich wieder selbst kochen zu können. Wir zelebrieren das, denn wir lieben es beide, und verbringen den Großteil unserer Zeit mit Kochen in den nächsten Wochen. 😀

Aber zuerst machen wir unsere erste Couchsurfing-Erfahrung in Australien und überhaupt unserem ganzen Leben!

Couchsurfen in Kalamunda

Keine Ahnung, wie es uns nach Kalamunda verschlagen hat, aber hier wohnen wir die ersten Tage. Bei Adrian, einem supernetten und offenem Australier, den wir schnell in unser Herz schließen.

Er teilt sein Haus mit uns (wir haben sogar ein eigenes Zimmer), seine Zeit, sein Bier und seinen Maulbeerbaum. Wir kommen als Fremde und gehen als Freunde und immer wieder werden wir in den nächsten Wochen und Monaten wieder hierhin zurückkehren. Kalamunda ist wunderschön, viel schöner als die langweiligen, betonierten, gradlinigen Suburbs ohne Natur. Es liegt in den Perth Hills südlich von Perth und ist umgeben von Nationalparks, coolen Trails, Wasserfällen und so viel Natur zu entdecken!

Australiens coolste Einwohner

Wir sind so dankbar, dass es uns hier hin verschlagen hat. Jeden Tag sind wir draußen und erkunden die Gegend. Alle Bäume, alle Pflanzen, der Boden, die Luft, die Tiere – es ist doch alles anders als zuhause und soo cool! Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, als wir am ersten Abend einen Spaziergang in das nahe gelegene Naturreservat machen.

Die Erde ist ja echt so orange! „Guck mal, der Baum ist so cool!!“ wird zu meinem meistgesagtem Satz, irgendwie sind wir einfach nur begeistert. Die Luft riecht unglaublich gut, wonach wissen wir nicht, und die Golden Hour ist goldener als sonst irgendwo auf der Welt.

Auf einmal raschelt es neben uns im Gebüsch und wir erschrecken. So schön die Natur auch ist, Australien ist dafür bekannt, dass seine wilden Bewohner gerne mal giftig sein könne. Schlangen, Taranteln, Skorpione, fünfbeinige Monster, was weiß ich, auf jeden Fall wissen wir nicht was neben uns im Gebüsch hockt!

Wir erstarren und starren in den Busch – und zurück starrt ein riesiges Känguru, das vielleicht zwei Meter vor uns sitzt!! Während wir noch anfangen zu begreifen, reagiert es ein bisschen schneller und springt in großen Sätzen davon ins Unterholz. Und wir? Quietschen, lachen, jubeln, schauen uns ungläubig an und die Aufregung und das Glück pulsiert nur so in unseren Adern. Wir sind in Australien und haben unser erstes Känguru gesehen! Was daran so cool ist? Keine Ahnung! Komm her und erlebe es auch, dann wirst du es (vielleicht) verstehen!!

Es gibt noch andere Dinge, die anders sind als Zuhause.

Erstens, es ist warm. Und zwar perfekte 25-30 Grad warm bei trockener Hitze und 8 jahresdurchschnittlichen Sonnenstunden pro Tag (!).

Zweitens, es gibt Strände – und zwar wunderschöne!

Drittens, klar, die Menschen sprechen englisch.

Viertens, alles scheint ein einfach bisschen entspannter und gechillter.

Und wir sind hier, weil wir es uns ausgesucht haben. Nichts gegen Deutschland, wir lieben unser Zuhause auch, aber Australien war unser großer Traum – die ganze Reise! Jeden Tag leben wir hier, weil wir uns dafür entschieden haben und tun genau das, was wir wollen. Wir bestimmen unser Leben selbst, die Richtung, den Weg und sind auch zum ersten Mal ganz für uns alleine verantwortlich.

Wir ziehen in eine AirBnB-Wochnung in Balcatta, einem Vorort von Perth. Wir zahlen unsere Miete und Einkäufe selbst von unserem erarbeiteten Geld, wir kaufen ein Auto und tanken selbst, wir gestalten unsere Zeit und tragen die Konsequenzen von unseren Entscheidungen zu 100 Prozent selbst. Wir organisieren uns selbst und feiern uns selbst, immer wieder, weil dieses Leben so toll ist.

Ärger im Paradies?

…Bis es schwieriger ist, als gedacht, einen Job zu finden. Doch auch dann finden wir immer wieder etwas, was uns wieder Freude bereitet: ein Ausflug zum Strand, ein neuer Nationalpark, vloggen, ein-Kilo-Eimer Hummus, die Drohne, Popcorn, ein Traum, ein Plan, der sich doch wieder ändert und einfach das Leben.

Nach einiger Zeit finden wir beide Jobs, doch Adrian hat weniger Glück als ich. Nach Weihnachten – unser erstes Weihnachten im Sommer! – bekommt er keine Schichten mehr, die Frustration steigt, während der Kontostand sinkt.

Wir müssen eine Entscheidung treffen, die uns schwer fällt, doch wir verlieren nicht den Glauben an das Gute in der Situation.

Wie es weiterging erzähle ich dann nächsten Sonntag… 🙂 – auch wenn die meisten hier wohl schon Bescheid wissen! ☺️

Hast du ein Lieblingsland? Irgendeinen Ortet er dich einfach glücklich macht? Frankreich wird immer einen Platz in meinem Herzen haben, aber Australien sitzt ab jetzt direkt daneben!

Alles Liebe,


Der Kalamunda-Vlog:

Unser erstes Weihnachten im Sommer:

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