Planänderungen sind cool. Während unserer Weltreise habe ich sie immer mehr begrüßen und lieben gelernt. Das Leben passieren lassen, offen sein für alles, was kommt! Das klingt toll, aufregend, abenteuerlich. Wir haben es genossen, nie genau zu wissen, was uns erwartet und unsere Pläne jeden Tag zu ändern, je nachdem, worauf wir Lust hatten oder was gerade gepasst hat.

Bis auf einmal eine Planänderung auf uns zu kam, die unsere Reise um 180 Grad gewendet hat, wie wir es uns nie vorgestellt haben.

Gerade erst habe ich einen Beitrag veröffentlicht, warum ein Work and Travel in Australien so genial ist. Und ich meine das auch hundertprozentig ernst, mir ist jedoch noch eine Ergänzung das eingefallen: es kann genial sein, aber man sollte sich bewusst sein, dass es auch schwierig sein kann. Sonst wird man vielleicht schnell entmutigt oder frustriert.

Ich möchte heute deswegen mal eine andere Seite des Reisens zeigen. Nicht, um mich zu beschweren oder um Mitleid zu jammern – nur um zu zeigen, dass wunderbar nicht gleich einfach bedeutet. Um zu zeigen, wie man mit Situationen wie dieser umgehen kann. Und auch, dass du nicht alleine bist, wenn du dich gerade in einer ähnlichen – oder auch ganz anderen – schwierigen Situation befindest. 🙂

Zuerst einmal: was ist überhaupt los hier?

Wir sind in Australien angekommen mit dieser Idee, erst ein bisschen zu arbeiten, zu reisen, nochmal zu arbeiten und dann nur noch zu reisen. Da fällt mir gerade nur ein Spruch ein, den mein Papa liebt zu rezitieren:

Mach dir einen Plan, und sei ein helles Licht. Mach dir noch ein’ Plan – geh’n tun sie beide nicht. 😀 

Manchmal sieht das echte Leben nämlich einfach anders aus, als man sich alles so schön im Kopf ausgemalt hat. In unserem Fall war das so:

Wir sind in Perth angekommen und hatten schon eine Wohnung für zwei Monate, weil wir ja in Perth arbeiten wollten. Hier angekommen, war das aber gar nicht so leicht. In Perth überhaupt Arbeit zu finden ist im Moment extrem schwer.

Es dauerte drei nervenaufreibende, jobsuchende Wochen, bestimmt 50 verteilte Lebensläufe, unzählige Stunden am Laptop und drei Trials, bis ich einen Job gefunden hatte – bei Adri noch eine Woche länger. Bei wir war dann auch alles gut, aber Adrian hat schon nach etwa einer Woche keine Schichten mehr bekommen und sein Geld auch erst Wochen später gesehen.

Ein neuer Plan?

Unser neuer Plan war, auf eine Farm zu gehen und noch einmal drei Monate durch zu arbeiten, viel Geld anzusparen und dann zu reisen. „Sagt meinen Namen, dann bekommt ihr hundertprozentig den Job“ – dieser Satz, den ein Bekannter zu uns sagte, als er uns die Farm empfahl, wiegte uns in Sicherheit. In falsche Sicherheit, denn der Farmer brauchte uns nicht.

Zweiter Plan geplatzt, während unser Weltreise-Erspartes in Perth blieb, auch wenn wir stets unser Leben recht günstig hielten. Auto, Wohnung und Lebensmittel spürt man dann eben doch…

Adri hatte also keinen Job mehr und wir fanden keinen gemeinsamen Farmjob. Da änderte sich der gute, alte Plan mal wieder, als eine neue Gelegenheit auf uns zukam: ein Farmjob für einen männlichen Backpacker, viele Stunden, Unterkunft umsonst. Einundhalb Stunden südlich von Perth. Die Entscheidung fiel ziemlich schnell, denn die Situation war ziemlich verzweifelt. Falls ihr euch fragt: war das nicht schwer? – Und wie!

Es war bestimmt die schwerste Entscheidung, die wir auf dieser Weltreise getroffen haben und ist auch bis jetzt die härteste Zeit dieser Reise. Mehr als eine Träne ist seitdem geflossen, mehr als einmal saßen wir jeweils alleine in unserem Zimmer und wünschten uns den anderen herbei. Aber irgendwie wissen wir auch beide: es gehört dazu. Es ist Teil der Reise und wir sind gespannt, was wir am Ende alles daraus lernen!

Wie wir damit umgehen

Wenn man die letzten vier Monate 24/7 mit seinem Partner gereist ist, alle Probleme zusammen gelöst, wundervollen Momente zusammen erlebt, alle Mahlzeiten zusammen eingenommen hat und nebeneinander eingeschlafen und aufgewacht ist, ist es komisch, auf einmal ganz alleine zu sein. Am anderen Ende der Welt. Ohne Freunde, ohne Familie, ohne Partner, weil diese Person all dies geworden ist in der letzten Zeit.

Aber das Gute daran, dass man auf einmal ganz alleine mit sich selbst ist, ist: man verbringt viel Zeit mit dieser Person. Dem Selbst. Und lernt sich selbst nochmal ganz anders kennen. Die ersten Tage waren am schlimmsten, weil man sich erst einmal umgewöhnen muss. Doch auf einmal beginnt man, die Leere, die diese Person hinterlassen hat, zu füllen. Mit anderen Dingen, die einem gut tun! Und das – Überraschung – tut auch mal sehr gut!

Ich will damit nicht sagen, dass die Person ersetzt wird. Kann sie nicht und wird sie nicht und soll sie auch gar nicht! Aber das ist das schöne an diesem Platz im Herzen, für Dinge oder Personen, die man liebt: er ist seehr dehnbar und es passt viel rein! 😀

Wir haben uns von Anfang an gesagt, da muss es was Gutes dran geben. Ein Geschenk in der Situation. Das gibt es übrigens immer, man muss nur danach suchen!! Also haben wir immer versucht, uns darauf zu fokussieren, was wir Gutes aus der Situation mitnehmen können. Und dass es ja nur für ein paar Wochen ist!

Die Schattenseiten und das Licht

Ich zähle das mal auf. Die schlechte Nachricht, wie immer, zuerst.

  1. Adri und ich sind getrennt.
  2. Adri und ich sind getrennt.
  3. Adri und ich sind getrennt.
  4. usw, du verstehst schon. Recht einseitige Geschichte eigentlich. Dann vielleicht noch:
  5. Adri ist alleine und ihm ist langweilig, weil er niemandem zum reden hat auf der Farm (nichtmal Netflix, WLAN gibt’s nämlich nicht :D). Und:
  6. Hannah ist alleine und fühlt sich ein bisschen einsam.

So, jetzt aber mal zu den guten Dingen, den Geschenken, dem Sinn, oder was es auch immer sein mag:

  1. Adri verdient gut Geld, er kann finanziell mit mir aufholen und wir dann endlich weiter reisen und unseren Traum leben!
  2. Wir können beide tun, lassen, essen und einkaufen, was wir wollen. Wir waren uns zwar bis jetzt immer ziemlich einig und konnten gut Kompromisse schließen. Aber mal ganz alleine im Supermarkt aussuchen zu können, was man kauft, ist auch nett. 😀 Ich gebe zu, ich habe bei diesem Punkt etwas mehr Freiheit, weil ich in der Stadt lebe und ein Auto habe, während Adri eben auf der Farm sitzt. Aber so ganz unlustig scheint er dort auch nicht zu haben… #bierpongforthewin 😉
  3. Wir haben immer Wassermelonen ohne Ende und umsonst
  4. Wir lernen, Zeit mit uns alleine zu verbringen und Dinge zu tun, die uns selbst gut tun.
  5. Ich hatte viel Zeit, mich an den Blog zu setzten, was mehr als nötig war – und habe meine Motivation wiedergefunden!
  6. Wir wissen es noch einmal viel mehr zu schätzen, wenn wir Zeit miteinander verbringen können, und genießen diese sehr!
  7. Die Vorfreude auf die gemeinsame Weiterreise steigt und steigt.
  8. Weil Adri ja auch keine Unterkunftskosten mehr hat, bin ich, sobald unser Zimmer ausgelaufen war, zu Couchsurfern gezogen und habe eine weitere, wundervolle Erfahrung und Bekanntschaft gemacht!
  9. Ich fühle mich nicht mehr schlecht, wenn ich abends lange arbeite, weil ja zuhause keiner auf mich wartet.

Tja, wenn man sich das mal so ansieht, brauche ich eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Außer eins noch: Listen sind Kopfsache, Vermissung einer geliebten Person Herzenssache. Das kann man eben nicht ausschalten.

Aber es kann auch nie schaden, sich ab und zu mal die positiven Facetten einer Situation vor Augen zu führen, wenn man sich einmal von einer niedergeschmettert fühlt! Wo ein Wille ist, ist auch ein Geschenk in der Situation zu finden! 😉

Umgang mit Planänderungen

Ja, man kann sagen: so haben wir uns das nie vorgestellt. Oder: Das sollte doch unsere Reise sein, warum müssen wir sie getrennt verbringen?! Oder man kann sich einfach nur bemitleiden, weil alle die Zeit ihres Lebens haben nur man selbst in so ein Schlamassel gerät. Dann kann man sich schön mit Zweifeln und Ängsten und anderen schlechten Empfindungen herumschlagen.

Man kann es aber auch einfach annehmen, das das Leben sich eben nicht unbedingt immer an einem Plan hält, den man sich so schön ausgemalt hat. Woher sollte es ihn auch kennen? Man kann den Drang, alles nach seinen Vorstellungen hinzubiegen, loslassen und sich hingeben. Man kann vertrauen, dass alles seinen Weg gehen wird, wenn man offen ist, für alles was kommt. Man kann das Geschenk in jeder Situation suchen und finden. 

Wenn etwas anders läuft, als geplant, sieh es nicht als Fehler. Sieh es als Planänderung mit einer spannenden neuen Richtung! Eine neue Route, auf der du Dinge entdecken kannst, von denen du vorher nicht einmal wusstest, das sie existieren!

Wenn eine schwierige Situation auftaucht, sieh sie nicht als Problem. Sieh sie als Herausforderung! Probleme sind nur Probleme, weil wir sie als solche sehen. Herausforderungen reizen uns an, uns anzustrengen, neue Wege und Mitte auszuprobieren und über uns selbst hinauszuwachsen. 

Und wenn es doch einmal hart auf hart kommt gibt es immer noch Ben&Jerry’s und den Ozean. Oder Mama zuhause, die du weinend anrufen kannst (geht heutzutage ja meist problemlos über WhatsApp). Und dann ist es auch okay, schwach zu sein! 🙂 Du bist nicht auf diese Reise gegangen, um anderen Menschen zu beweisen, wie stark, cool und selbstständig du bist. Du bist hier, mitten auf dieser Reise, um neue starke, coole und selbstständige Seiten an dir zu entwickeln. Und das ist so aufregend!

Andere Dinge, die schieflaufen können…

…nur damit wir später mal was zum Lachen haben.

Du kaufst dir ein Auto, das kaputt geht. Du hast nur Probleme mit der Bank. Deine Karte oder Steuernummer kommen nicht an und du musst ewig irgendwelchen Behörden hinterher rennen. Dasselbe mit deiner Autoversicherung. Du kaufst dir ein Surfbrett und dann kommen keine Wellen mehr. Du entscheidest dich, am heißesten Tag der Woche wandern zu gehen und verläufst dich dann auch noch. Du kaufst dir eine Drohne und bemerkst dann, dass du sie hier fast nirgends fliegen lassen darfst. Du hast mal wieder nicht genug Vesper eingepackt. …

Und du?

Hattest du schon einmal die Situation auf Reisen, die so ganz anders gelaufen ist, als du es dir vorgestellt hast? Wie bist du damit umgegangen und wie hat sich das zuerst angefühlt? Und noch wichtiger: was hast du am Ende daraus gelernt? 🙂

Erzähl mir gerne davon in den Kommentaren oder schreib mir direkt! Und wenn du gerade mitten drin steckst, halt die Ohren steif und suche das Geschenk in der Situation.

Ich höre jetzt auf, ich klinge schon wie meine Mutter… Obwohl daran eigentlich nichts schlimm ist, sie hat ja immer recht, aber ich höre jetzt trotzdem auf. Ich habe einen freien Tag mit meinem liebsten Menschen zu verbringen und ganz viel Wassermelone zu essen. 😋

Cheers!


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