Strand bei Saint Jean de Luz, Baskenland, Frankreich

Wenn das Meer um mich herum rauscht, der Wind den Morgen mit einer salzigen Prise würzt und der Porridge durftend dampft, dann weiß ich wieder, wieso ich immer wieder Freiheit über Sicherheit und 1000 Sterne am Himmel über 5 an der Hoteltür stellen würde. Warum wir all unser Geld in dieses alte Auto gesteckt haben, warum wir Unbequemlichkeiten auf uns nehmen, warum ich Todo-Listen liegen lasse, um alleine ans Meer zu fahren. Warum ich nachts friere und tagelang direkt aus dem Topf esse, warum ich mich Regen und Wind aussetze – weil es hier diese kleinen Momente gibt, wo alles stimmt. Wo weniger viel mehr ist.

Frühstück im Campervan, Guéthary

Vanille im Baskenland, Frankreich

Diese Worte purzeln aus meinem Kopf, als ich morgens in meinem Van in dem kleinen französischen Fischerörtchen Guéthary am Meer sitze, mir Frühstück mache und dieses kribbelige Gefühl in meinem Bauch einfach nicht mehr weg geht. Das Kribbeln sagt: du bist genau richtig, wo du gerade bist. Das Kribbeln sagt: diesem Moment gibt es nichts mehr hinzuzufügen. So fühlt sich Glück an, traut es sich anzudeuten.

Guéthary ist wunderschön. Ein paar mal habe ich davon gelesen, von diesem unter Surfern berühmten kleinen Örtchen an der Côte Basque und da war dieses Bauchgefühl: ich wette, da gefällt’s mir. Unbegründet, mehr eine Ahnung, eine Idee und sie hat gestimmt — warum ist schwer zu beschreiben. Da stimmt das Gefühl, und das ist am Ende das einzige, was zählt. Aber es stimmt auch die Begegnung an diesem Ort, und die ist eine ganz besondere.

Vanille in Guéthary, Baskenland

Küstenweg zwischen Guéthary und Biedert Plage

Das berühmte Geschenk

In jeder Situation das Geschenk finden – eine der vielleicht schwierigsten aber gleichzeitig schönsten Herausforderungen im Leben, denke ich. Das Leben gibt einem immer wieder herausfordernde Gelegenheiten zum üben. Aber je mehr man das verinnerlicht, desto mehr kann man in diesen Situationen darauf vertrauen, dass alles gerade zum Besten passiert. Auch wenn man es erst (viel) später erkennt.

Warum ich das erzähle? Ich könnte behaupten, meine Reise sei ins Wasser gefallen. Ja, das schlechte Wetter hat mich echt genervt nach einer Weile. In dem kleinen Van zu sitzen, so gemütlich er auch sein mag, wird auf die Dauer einfach einengend und langweilig. 

Der blöde Regen – wie gut, dass er mich so genervt hat, dass ich spontan einen Couchsurfer angefragt habe, ob ich eine Nacht bei ihm schlafen kann. 

Denn daraus wurde die schönste Begegnung und ein paar der besondersten Erlebnisse dieses Trips. Eine neue Freundschaft, ein ganz neuer Einblick in die Gegend, Orte die ich sonst nie entdeckt hätte. Viel Musik und viel Schokolade, erste Ukulelegriffe, Surfen im Februar, das Teilen von Hängematten, Gesprächen, Essen und Wissen. Ein Abendessen mit lauter Fremden, französisch sprechen, Wein trinken, aufgenommen, angekommen. 

Was hätte ich alles verpasst, wenn ich nicht die Schnauze voll von diesem Regen gehabt hätte.

Blick von Guéthary in Richtung Biedert, Küste im Baskenland

Couchsurfen in Saint Jean de Luz

In einer halben Stunde sei er wieder Zuhause, schreibt mir Julien. Dann kann ich kommen. Nie zuvor hat mir ein Couchsurfer so schnell geantwortet. Ausgerechnet jetzt, wo ich um fünf Uhr nachmittags eine spontane Anfrage stelle, weil ich den Regen nicht mehr aushalte, klappt das – ein Zeichen? Zumindest eine wunderbare Fügung, bei der Aussicht auf Gesellschaft und ein trockenes, warmes Heim für die Nacht breitet sich ein angenehmes Gefühl in mir aus. Ich klappe meinen Laptop zu, schleudere den Rucksack auf meinen Rücken und verlasse beschwingt die öffentliche Bibliothek von Saint Jean-de-Luz.

Leicht ächzend biegt mein VW-Bus in die steile Auffahrt des Campingplatzes ein und kurz darauf sprinte ich die wenigen Meter bis zur Haustür durch den prasselnden Regen. Mein Host leitet einen Campingplatz zwischen Guéthary und Saint Jean-de-Luz, 600 Meter sind es bis zum Meer. Vom Fenster meines Zimmers sehe ich später zwischen den Hügeln und Baumkronen die dunkelblaue Fläche aufblitzen, die bis zum Horizont reicht. Im Moment aber ist alles verhangen und grau.

Blick vom Haus zum Meer

Doch Julien und sein fröhlicher Hund Sky lassen sich nicht von dem Wetter beeinflussen und so ist die Stimmung vom ersten Moment an fröhlich, aufgeschlossen und entspannt. Wie ich solche Begegnungen liebe! Es nimmt einfach ganz viel von der anfänglichen Distanz und Spannung, die bei vielen ersten Kennenlernen oft mitschwingt, wenn man direkt beim ersten Treffen bei der fremden Person Zuhause übernachtet! 😀 

Julien ist unglaublich unkompliziert — easygoing und openminded würde der Australier sagen (und natürlich no worries, mate). Wir essen zusammen und bekriegen uns danach bei Tee und Schokolade auf dem Sofa mit Farben, bei dem unglaublich witzigen französischen Kartenspiel „Farbenschalcht“. 

Im Gegensatz zu vielen anderen spricht Julien französisch mit mir, obwohl er gut englisch spricht (ebenfalls im Gegensatz zu vielen anderen hier). Geduldig wiederholt er seine Sätze, langsamer oder mit anderen Worten, wenn ich etwas nicht verstehe, und unsere Kommunikation ist so natürlich, dass ich alle Scheu verliere, mein — nach der langen Zeit in Australien und Peru leicht eingerostetes — Französisch rauszuholen. 

Und spätestens, als er kurz später seine Ukulele hervorholt und mich bittet, ein Video für seine Freunde aufzunehmen, in dem er mit Baskenland-Fanbrille und Hawaii-Blumenkette ein selbstgeschriebenes französisches Lied ausgelassen und hemmungslos in die Kamera schmettert, sind alle Barrieren gefallen.

Bucht von Saint Jean de Luz

Kein Couchsurfer ist gleich

Ich habe bis jetzt schon einige Couchsurfing-Erfahrungen gesammelt. Die meisten davon in Australien, während unserer Weltreise, eine in Deutschland und wenige auf dieser Tour und es fasziniert mich immer wieder, wie unterschiedlich die Menschen sind. Da gibt es die, die sich gar nicht für dich interessieren (schade, ich couchsurfe schließlich auch für die Begegnung), die, die sich zu sehr auf sich fokussieren (anstrengend, wenn kaum Platz zum atmen bleibt!) und dann viel dazwischen.
Manche treffen der perfekten Punkt, da hat jeder Raum für sich, aber es gibt eine gemeinsame Ebene, da ist man offen, neugierig und respektvoll miteinander, da geht man aufeinander ein, lernt voneinander und teilt miteinander. Da stimmt die Verbindung, da lacht das Herz und da entstehen unvergessliche Momente und oft Freundschaften fürs Leben. So war das in Australien bei Adrian, mit Megan & Luke, bei Josh und Andrea und Vince. Und so ist es mit Julien. 

Wir erleben so viel in den nächsten Tagen. Zuerst gehen wir surfen in Hendaye, da er mir sowohl einen dicken Wetsuit als auch ein Board ausleihen kann und die Wellen hier klein(er) sind. Meine Arme fallen nach gefühlt zehn Metern Paddeln ab, das kalte Wasser knistert auf der Kopfhaut, aber die Tatsache, dass ich im Februar in Frankreich surfen bin, begeistert mich viel zu sehr, um das die Stimmung trüben zu lassen. Seine Freundin Pia ist dabei, und obwohl es am Anfang hieß, er könne nur für eine Nacht, werde ich nun in die Wochenendpläne eingeweiht und zu dem Soirée mit ihren Freunden eingeladen. 

An diesem Abend wird viel gegessen, geredet und gelacht und ich fühle mich so wohl in diesem Kreis. Auch die Sonne lässt sich nun hin und wieder blicken. Wenn Julien arbeitet, gehe ich spazieren und erkunde die Gegend. Er hängt mir eine Hängematte auf der Terrasse auf und mit dem sich wohlig räkelnden Sky auf meinem Bauch schaukle ich durch einen faulen Mittag. Er zeigt mir Saint Jean-de Luz und erzählt mir unendlich viel über die Stadt und die Gegend. Wir machen Musik und singen und reden und obwohl ich mich so wohl fühle wie lange nicht mehr, überkommt mich der Gedanke, dass ich nochmal nach Hossegor will. Am Sonntag werden die Wellen groß und mein Couchsurfer dort meinte, er könnte mich am Wochenende nochmal aufnehmen.

Nach all den anderen Abmachungen, die er schon gebrochen hatte, hätte ich es besser wissen müssen, aber ich wollte ihn so gerne nochmal wiedersehen.

In der Hängematte mit Couchsurferhund Sky Bereit zum Surfen in Hendaye im Februar Bucht bei Guéthary in Frankreich Roadtrip Baskenland

Hängengelassen

Eine knappe Stunde dauert die Fahrt über Biarritz und Bayonne zurück nach Hossegor. Ich komme am Strand an, es ist kalt und windig und ich frage mich, was mich eigentlich geritten hat, wieder hierher zu kommen. Ich mache einen kurzen Spaziergang, aber in mir breitet sich unaufhaltsam ein Gefühl von Leere aus. Eine Mischung von Langeweile und Einsamkeit. Ich fühle mich verloren und Hossegor wirkt seinen Zauber, den ich in den ersten Tagen hier so stark verspürt habe, nicht mehr auf mich aus. 

Hossegor Plage

Ich schreibe Matthieu, ob er da ist, ob ich kommen kann. Keine Antwort. Ich warte noch etwas, dann fahre ich zu seinem Haus. Er ist nicht da. Irgendwo, tief in meinem Inneren, habe ich das geahnt, wollte aber nicht auf dieses Gefühl hören. Traurigkeit macht sich in mir breit, aber ich bin auch sauer. Dann soll er mir doch nicht sagen, ich könne kommen, wenn er sich dann nicht wieder meldet! Das ist doch bescheuert! Jetzt sitze ich hier, alleine, ohne Platz zum schlafen. Und eine Stunde von hier ein schönes, warmes Zuhause, wo ich mich so wohl gefühlt hatte. Wo ich glücklich war. Warum bin ich eigentlich hergekommen?

Bei allem aber überwiegt das Gefühl der Einsamkeit. Alleingelassen — hängengelassen. Ich vermisse Julien und Sky. Da Matthieu immer noch nicht antwortet (und das sollte er auch die nächste Woche nicht mehr tun) parke ich in der Nähe, um erstmal was zu kochen. Dabei wäge ich meine Möglichkeiten ab: entweder hier in einer Seitenstraße übernachten und hoffen, dass Morgen besser wird. Oder… Nein, das wäre echt bescheuert. Aber warum fühlt es sich so gut an? Also gut. Oder: ich fahre zurück nach Saint Jean-de-Luz. Was sind schon 100 Kilometer, wenn man seinem Herzen folgt? 

Küstenstraße von Hendaye nach Saint Jean de Luz

Allez-va, ramène-toi.

Draußen ist es schon dunkel, als ich den Van aufräume, auf den Fahrersitz klettere und mein Handy raushole. 

Na, schreibe ich Julien.
Na, schreibt er zurück, wie ist Hossegor?
Scheiße. Sag mal, dumme Frage aber was machst du heute Abend? Senden. Ich beiße mir auf die Lippe. Hoffentlich hat er überhaupt Zeit.
Mein Display leuchtet auf im Dunkeln, da ist die Antwort:
Na los, komm schon zurück.

In dem Moment fällt mir so ein riesiger Stein von Herzen, dass ich gleichzeitig zu lachen und zu weinen anfange. Ich starte den Motor, die Scheibenwischer hinterlassen Schlieren auf der regenüberströmten Windschutzscheibe, die Sicht ist verschwommen, doch mein Herz sieht klar: Ich weiß, dass ich das tue, was jetzt das richtige für mich ist. Doch um das zu erkennen, muss man eben manchmal Umwege gehen.

Als ich an die Tür klopfe und eintrete springt Sky zur Begrüßung wild mit dem Schwanz wedelnd an mir hoch. Julien sitzt auf dem Sofa, grinst mich an und ruft: Hannah! Welcome home! 

Es ist, as wäre ich nie weggewesen.

Bidart Plage Baskenland

Guéthary Frankreich

Blick von der Küste auf den Bidart Plage

Saint Jean-de-Luz

Zur Feier unseres unverhofft gemeinsamen Samstagabends will Julien mir seine Lieblingsbar in „Saint Jean“ zeigen, wie die Locals die kleine Stadt liebevoll nennen. Sie ist ausgebaut wie ein Piratenschiff mit einer niedrigen Decke aus breiten Holzplanken, schummerigen, gemütlichem Licht und bunten Glasfenstern. Außerdem ist sie für die scheinbar leere Stadt gut besucht, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass es die einzige Bar ist, die um die Jahreszeit hier offen hat.
Wir trinken und reden gemütlich, dann spazieren wir durch die nächtliche Stadt, während er wieder eine spannende Geschichte nach der anderen auspackt. Durch die Begegnung erst habe ich diese Gegend so richtig kennen und lieben gelernt, alle meine Bilder und Erinnerungen werden ergänzt durch lustige Anekdoten oder interessante Informationen.

Das Baskenland hat mich mehr als überrascht — ich habe mich direkt in diese Gegend verliebt. Jahrelang war ich so fokussiert auf Hossegor, bin nie weiter gegangen als dorthin. Doch auch dieser Teil des Landes, wo sich Meer und Gebirge am Rand der Pyrenäen küssen, wo Sanddünen und Pinienwälder in tiefgrüne Gegenden, schroffe Klippen und kleine Buchten übergehen, wo sich Spanien und Frankreich die Hand reichen, auch dieser Teil hat einen ganz eigenen Zauber. Ich fotografiere viel und Julien fragt mich, ob er einige der Bilder in der Rezeption des Campingplatzes aufhängen kann. 

Strand von Saint Jean de Luz Küstenstraße Saint Jean de Luz

Durch die Hügel und an der Küste entlang mache ich ausgedehnte Spaziergänge, und wenn Julien frei hat, fahren wir nach „Saint Jean“ und gehen brunchen, bummeln durch die Stadt und fahren die französische Great Ocean Road auf den Klippen entlang. Ich lerne meine ersten Griffe auf der Ukulele (was mich so begeistert, dass ich mir Zuhause gleich eine zulege), wir kaufen auf dem Markt und in kleinen Patisserien ein und zeigen uns gegenseitig unsere Spezialitäten: heißt Gateau Basque, Brot und Käse auf seiner Seite, leckere Tofugerichte (weil er meinte, Tofu könne nicht schmecken) auf meiner. Wir schauen Filme und quatschen und singen und chillen und schon ist der Tag gekommen, an dem ich beschließe, jetzt endgültig nach Hossegor zurückzufahren. 

Hossegor Plage dramatischer Himmel

Alleine ist es immer noch am schönsten?

Ich habe auf der Reise mehr als jemals zuvor gelernt, meine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Klar irgendwie, wenn es nichts und niemanden sonst gibt, auf den man achten muss. Und so spüre ich schließlich, dass ich wieder etwas Zeit für mich brauche. In wenigen Tagen fahre ich zurück nach Hause und vorher möchte ich noch einmal nur für mich sein, im Van schlafen und die Ruhe und das Alleinsein genießen — denn wenn ich es mir aussuche, kann ich sehr gut allein sein und liebe (und auch brauche) das sehr!

VW T4 Campervan Innenausbau

Alle Begegnungen waren wundervoll und ich freue mich über die Freundschaft, die aus dieser Notfall-Anfrage-für-nur-eine-Nacht geworden ist. Aber mein Herz ist randvoll und ich merke, dass es Zeit ist zu gehen. Diesmal wirklich. So verabschieden wir uns mit einem bis zum Sommer, wenn ich mit Adrian unbedingt wieder in der Gegend vorbeischauen will (ob das coronamäßig nun klappt oder nicht, steht inzwischen leider in den Sternen). Dann fahre ich zurück nach Hossegor.

Diesmal ist es anders. Ich freue mich darauf, allein zu sein — ich erwarte nichts von niemandem, ich will niemanden treffen oder sehen. Also gehe ich einkaufen, koche, spaziere und liege einfach rum und lese. Am laufe Richtung Meer und komme nicht mal bis zum Strand, da mir sandige Sturmböen von wohl 70 bis 80 km/h entgegenpeitschen und beinahe das Gesicht zerfetzen. So liege ich im Van und kriege langsam einen Stubenkoller. So gemütlich es hier drin auch ist, für den ganzen Tag ist es einfach nichts, es ist eng, kalt und mir wird langsam langweilig. Zwischendrin prasseln kräftige Regenböen auf Hossegor hinab. In Kombination mit den Sandstürmen führt das dazu, dass der Bus bald aussieht wie ein paniertes Schnitzel. 

Hossegor Winterwellen und Stürme

Der letzte Tag

Meine schlecht gelauntes Ende des Trips nimmt eine überraschend schöne Wendung, als ich etwas niedergeschlagen mit meinem Papa telefoniere. Kurzum entscheidet er, sein Töchterchen ein bisschen aufzumuntern, indem er mich einlädt, die Nacht in einem Hotel zu verbringen.
Zuerst widerstrebt mir die Idee über die Maßen — ich meine, ich bin doch Camperin, Vanliferin, Backpackerin, man schläft nicht einfach im Hotel, das ist doch viel zu einfach, und zu teuer sowieso, und überhaupt gar nicht mein Stil und ich habe schließlich ein Bett im Auto.
Aber dann drängt sich die Vorstellung von einem warmen, sauberen Zimmer in mein Bewusstsein. Ein großes, weiches Bett, Ruhe und eine warme Dusche, WLAN und ausschlafen ohne die Angst, von irgendjemandem geweckt zu werden, und ich bin überredet.

Dramatisches Licht in Hossegor

Als hätte der Tag nur auf die erste positive Wendung gewartet, lässt schließlich auch der Wind nach und erste Fetzen von blauem Himmel zeigen sich. Erleichtert und freudig aufgeregt wie ein kleines Kind fahre ich nochmal zum Strand. Und siehe da, nur eine leichte Brise streicht mir über das Gesicht, als würde es mich locken: na komm, mach doch noch einen letzten Strandspaziergang. Und den mache ich.

Die Wolken bilden dramatische Formationen, das Licht ist wunderschön und magisch, das Krachen der Wellen löscht wieder alle Gedanken in meinem Kopf aus und das Kribbeln ist wieder da. Der Zauber von Hossegor ist wieder spürbar. Ich spüre den Sand unter meinen Füßen, das Salz im Gesicht, den Wind im Haar. Rieche das Meer, höre die Wellen, sehe die Sonne, die für wenige Augenblicke in mein Gesicht strahlt und kann so angemessen dem Meer Auf Wiedersehen sagen.

Sonnenuntergang in Hossegor am Strand

Epilog

Das Hotelzimmer war wunderschön und gemütlich, mit viel Holz und Blick auf den See von Hossegor. Nach einem entspannten Frühstück in einem Surfercafé mit frischem Banana Bread und heißem Oat Latte mache ich mich auf. Über tausend Kilometer habe ich hinter mich zu bringen, die mich noch von Zuhause trennen.

Banana Bread im Waxed Café Hossegor

Nach einem Platzregen, der einem alle Sicht nimmt, endlosen Landstraßen mit lautem Mitsingen zur Musik und beinahigem Verfahren in der Dunkelheit irgendwo in der Mitte von Frankreich auf lauter winzigen, stockdunklen, unheimlichen Sträußchen im Nirgendwo, komme ich in Chalon-sur-Saône an. Ich finde einen riesigen Parkplatz, wo ich ich sicher zwischen vielen anderen großen Wohnmobilen stehe und beruhigt schlafen kann. Nach dem Eindecken mit genug französischer Schokolade und veganer Mousse-au-Chocolat im riesigen Carrefour bringe ich schließlich auch die letzten Stunden Fahrt hinter mich.

Zuhause mache ich erst einmal langsam. Nehme mir Zeit, das Geschehene zu verarbeiten, zu verdauen und sacken zu lassen. Die Zeit war so schön, so intensiv, so lehrreich und bestimmt nicht meine letzte Reise alleine. 

Es ist schön, zu wissen, dass wundervolle Menschen auf einen warten, wenn man nach Hause kommt. Und es ist schön, zu spüren, dass man trotzdem frei ist. Dass man immer noch jemand ganz eigenes ist, ohne all die Bindungen und Beziehungen, die uns tagtäglich beeinflussen. Man lernt sie ganz neu kennen, schätzen und lieben. Vor allem eine ganz besondere Beziehung: die zu sich selbst.

In Liebe und bis zum nächsten Mal,


Zum 1. Teil des Vantrip-Frankreich-Reiseberichts:
Alleine im Van unterwegs – über Südfrankreich im Februar, Monsterwellen und Einsamkeit


Hossegor, mein Happy Place

Guéthary Plage, Baskenland, Frankreich