Surfschule, Surfcamp, Surflodge… Wenn du dich nun für ein Ziel deines nächsten Frankreich-Surftrips entschieden hast (wenn nicht: hier geht’s zu Frankreichs Surfspots), gibt es eine nächste Entscheidung zu treffen: Die Art der Reise, wie und mit wem du unterwegs sein, wohnen und surfen willst.

Auch an dieser Stelle gibt es wieder unzählige Möglichkeiten für alle Vorlieben und Budgets. Und unzählige Fragen: Worauf solltest du bei der Auswahl einer Surfschule achten? Was ist der Unterschied zwischen Surfcamps und Surflodges? Was kostet der Spaß? Und: Was kann ich dir aus meinen Erfahrungen heraus empfehlen? All diese Fragen werde ich dir in Ruhe beantworten, keine Sorge. Einfach zurücklehnen, weiterlesen und von deinem nächsten Surftrip träumen! 🙂

Surfschulen sind wohl die individuellste Art, das Surfen zu lernen, denn sie sind mit jeder Urlaubsform kompatibel. Egal, ob du in der Nähe campst, ein Ferienhaus hast, im Hotel wohnst oder mit ein paar Freunden im VW-Bus unterwegs bist – in Surfschulen kannst du dir den Unterricht so legen wie du möchtest. Einzel- oder Gruppenstunde, eintägig, dreitägig, fünftägig, mehrmals am Tag oder mit einem Tag Pause zwischen den Kursen? Ich habe bis jetzt immer die Erfahrung gemacht, dass man bei Surfschulen den Surfunterricht ganz problemlos und flexibel an die eigene Terminplanung anpassen konnte.

Surfen

Surfschule ist nicht gleich Surfschule! Auch wenn in Europa ein ausgebildeter, zertifizierter Surflehrer Standard ist, gibt es doch erhebliche Qualitätsunterschiede bei Surfschulen. Und um nicht viel Geld für mickrige Fortschritte und Enttäuschungen auszugeben, solltest du bei der Wahl der Surfschule auf einige Dinge achten:

  • Einzelunterricht bringt dich natürlich am schnellsten voran, leert aber auch deinen Geldbeutel am schnellsten. Im Gruppenunterricht sollten  zum einen die Gruppen nicht zu groß sein: In guten Surfschulen sind es möglichst nicht mehr als 5-6 Schüler pro Surflehrer, sodass der Surflehrer auch auf jeden einzelnen Schüler eingehen kann. Zum anderen sollte der Lehrer mit ins Wasser gehen, den Schülern individuelle Ratschläge geben, ihnen helfen, sich richtig in den Wellen zu positionieren und dafür sorgen, dass kein Schüler abtreibt oder sich zwei zu nahe kommen und so in Verletzungsgefahr begeben (ich habe auch schon Surflehrer erlebt, deren Unterricht darin bestand, am Strand zu stehen und den Schülern fröhlich zuzuwinken. Keine besonders hilfreiche Methode, um Fortschritte zu machen oder Fehler festzustellen).
  • Dann ist es wichtig, dass im Rahmen des Unterrichts auch eine theoretische Einführung zu Themen wie Wellenentstehung und Gezeiten, Regeln im Wasser und Sicherheit stattfindet. Dieses Hintergrundwissen ist für das Lesen und Verstehen von Wellen, das Erkennen von Gefahren und die Surftechnik wichtig, wird jedoch oft vernachlässigt. Abgesehen davon ist es super spannend, finde ich.
  • Auch ein Warm-Up sowie Trockenübungen an Land sollten fester Bestandteil des Surfunterrichtes sein. Diese Dinge wirken sich erwiesenermaßen positiv auf das Surfen aus.
  • Wenn zusätzlich Foto- oder Videoanalysen angeboten werden, solltest du diese Chance unbedingt nutzen! Auch wenn es recht desillusionierend sein kann, sich selbst surfen zu sehen, sieht man so doch mal seine eigenen Fehler. Und kann so viel besser daran arbeiten! 😀

Wenn du also eine gute Surfschule gefunden hast und wirklich surfen lernen willst, dann mache am besten (mindestens) einen fünftägigen Kurs. So hast du genügend Zeit, Fortschritte zu machen und deinen Surflehrer kennenzulernen (bzw. er dich). Auf diese Weise kann der Surflehrer deinen Lernprozess beobachten, dich besser einschätzen und dir ein besseres Feedback geben.

Trotzdem muss ich ernüchternder Weise zugeben, dass es mit solchen Traum-Surfschulen in Frankreich im Sommer eher mau aussieht. Die Nachfrage und das Angebot sind einfach zu groß und nach einer wirklich guten Schule kann man (ich zumindest) lange suchen. An den Surfunterricht an der Algarve ist aber auch echt schwer ranzukommen. Diesen Sommer habe ich allerdings (endlich) mal wieder eine gute Erfahrung mit einer Surfschule gemacht!

Meine Surfschul-Empfehlung am Atlantik:

Die Natural Surf Lodge in Seignosse. Zugegeben, am ersten Tag war ich noch eher gefrustet. Ich war die einzige, die nicht aus dem Camp kam (die Surfschule hat noch ein Surfcamp), die war Gruppe riesig, die versprochene Theorie darin bestand, mir zu erklären, dass die Leine am Board Leash heißt (Danke auch, spannend zu hören im fünften Surfjahr) und alles waren Anfänger, die noch nie auf einem Board standen. Aber schon nach der ersten Stunde, einigen schönen (Weißwasser)Wellen zum wieder-rein-kommen und das Verbrechen von meinem Surflehrer, dass wir morgen „richtige“ Wellen surfen werde, ging die Laune wieder nach oben! Ich könnte stundenlang von diesen Surfstunden erzählen, doch das kann Seiten füllen.

Also nur mal zu den Fakten: In den nächsten Tagen vollführten wir jedes Mal, bevor wir ins Wasser gingen, ein Warm-Up Programm. Wir beobachteten die Wellen und sprachen über ihre Eigenschaften. Mein Surflehrer nahm recht schnell eine andere und mich mit raus ins Line-Up, gab uns Tipps zum Rauspaddeln und zur Positionierung auf dem Brett. Auch half er uns bei der Entscheidung für eine Welle und beim Mut fassen, wenn wir ordentlich durchgespült wurden.

Fast jeden Tag bekam ich ein kürzeres Board, sodass ich mich innerhalb einer Woche vom 8 Foot Softboard zum 7.6 Foot Hardboard vorarbeitete. Einmal nach dem Surfen wurde uns ein langer Vortrag zum Thema Wetter und Wellenentstehung gegeben und die Surflehrer waren wirklich gut in ihrem Job. 🙂 Die Natural Surf Lodge liegt am Plage des Casernes, dem nördlichsten und ruhigsten Strand der Hossegor-Strände. Oft waren wir sogar die einzigen im Wasser!

seignosse plage les casernes, natural surf lodge

Watching the waves… Morgen-Routine mit Mathieu, unserem Surflehrer

Unterkunft

Wie gesagt, bei einer Surfschule ist dir alles freigestellt. Für Reisende ‚on a budget‘ empfehle ich das Campen. Die einfache, gemütliche Atmosphäre, günstigen Kosten und hohe Dichte an guten Campingplätzen in Frankreich sprechen einfach dafür! Beim Campen ist man in Frankreich auf normalen Campingplätzen oft mit 20-30€ pro Nacht/Stellplatz dabei. Das ist gerade, wenn man mit Freunden unterwegs ist, super, weil verteilt auf z.B. 4 Personen ist das dann echt nicht mehr viel. Und der Flair ist einzigartig!

Ansonsten sind die Möglichkeiten endlos: Bungalows, Ferienwohnungen/-Häuser, Hotels, Hostels, Hütten, Van, Couchsurfing, …

Preise

Die Kosten für einen 5-tägigen Kurs betragen meistens um die 130-150€ inklusive Material und Transfer, sofern die Surfschule nicht direkt am Strand ist oder unterschiedliche Spots anfährt.

Eine Einzelstunde kostet 70-90€ (60-90 min) und zu zweit meist etwa 55€ pro Person.

first surf school Surfunterricht

Surfcamps

Ein Surfcamp bietet dir das komplette Surf-Programm: alle Surfer eines Camps wohnen, essen und surfen zusammen. Man verbringt die Zeit mit vielen Gleichgesinnten, meistens auch im ähnlichen Alter und so ist eine unterhaltsame Zeit mit tollen Menschen quasi garantiert.

Das schönste an einem Surfcamp ist wahrscheinlich die tolle Atmosphäre! Ein Haufen junger, fröhlicher Menschen, die alle da sind um zu surfen und eine gute Zeit zu haben. Das Surfen bestimmt den Alltag und verbindet alle.

Übrigens hat sich das Thema Surfcamp mittlerweile sehr weit ausgebreitet und man findet heute auch viele Surf- und Yogacamps oder Camps mit anderen tollen Sport-, Freizeit- und Ausflugsangeboten. Gerade in Frankreich ist das Angebot so groß, da ist garantiert für jeden etwas dabei!

Surfen

In einem Surfcamp steht natürlich das Surfen im Vordergrund und ist fest in den Campalltag integriert. So gibt es in vielen Camps zwei Sessions am Tag, morgens und nachmittags, Material zum Ausleihen steht zur Verfügung und abends gibt es meist Programm:  gemeinsame Aktivitäten, Lagerfeuerabend, Partys oder Theorieunterricht.

Der Surfkurs ist entweder im Camppreis inbegriffen oder es können unterschiedliche Kursangebote vor Ort gebucht werden. Das Material steht meist frei zur Verfügung, sodass auch auf eigene Faust gesurft werden kann (aber nur, wenn man über 18 Jahre alt ist, wie wir schmerzlich erfahren mussten :D).

surfunterrich Frankreich, first surf school

Unterkunft

Was Unterkunft und Verpflegung angeht, gibt es auch wieder zahlreiche Möglichkeiten für nahezu jede Vorliebe und jedes Budget: von einfachen Zelten und schlafen auf Isomatten zu etwas luxuriöseren Zelten mit Holzboden, Bungalows, Hütten oder Häusern, in denen gewohnt wird.

Verpflegung ist oft Vollverpflegung mit einem Lunchpaket für Mittags am Strand, es gibt aber auch Camps, in denen jeder sich selbst versorgt.

Ein weiterer praktischer Vorteil von Surfcamps ist, dass man bei einigen (vor allem für Jugendliche) mit dem Bus anreisen kann, die Anreise also nicht selbst organisieren muss – das ist besonders für die jüngeren Surfer ohne Auto oder Führerschein sehr angenehm. In vielen Camps ist aber jeder für die Anreise selbst verantwortlich – diese Informationen einfach vorher nachlesen, dann kann nichts schiefgehen!

Preise

Preislich bist du in den meisten Surfcamps in Frankreich, inkl. Vollverpflegung (fast immer kannst du wählen) inkl. Surfkurs bei 350-450€/Woche, das kommt aber auch auf die Reisezeit und die Art der Unterkunft an. Im Frühjahr und im Herbst sind die Camps (die zu dieser Zeit schon offen sind) günstiger und die Wellen sind besser! Wer also kann, reist in der Vor- oder Nachsaison.

Pure Surf Camp Saint Giros, Campground

Entspannte Atmosphäre auf im Camp von Pure Surf in St. Girons…

Surflodges

Die Kombination für alle, die auf die Surferstimmung nicht verzichten, aber sich nicht an ein Camp binden wollen: Surflodges!

Surfen

In Surflodges bist du unabhängig, da du dir deinen Tag selbst gestalten kannst. Manchmal sind Surfkurse/Material dabei oder du kannst es dazu buchen; manchmal kannst du einfach mit deinem eigenen Board anreisen. Es heißt: mit Gleichgesinnten Zeit verbringen, surfen, wohnen, leben!

Unterkunft

Surflodges sind meist Häuser, Bungalows oder Hütten, in denen mehrere Surfer gemeinsam wohnen, kochen und einfach zusammen leben. Vollverpflegung ist meist dazu buchbar, als Unterkunft gibt es Doppel- oder Mehrbettzimmer (manchmal auch Einzelzimmer, ansonsten kann ein Doppelzimmer alleine gebucht werden).

Preise

Die Preise variieren hier sehr stark, je nach Standard und Leistung  (Doppel- oder Einzelzimmer, Verpflegung, Surfkurs/-material, Yoga, …). Schau einfach nach einem Angebot, das zu dir und deinen Wünschen passt!

surfen am plage des bourdaines, seignosse

Surfschule, Surfcamp oder Surflodge?

Tja, da sind wir wieder: bei der Qual der Wahl. Aber eigentlich ist die Entscheidung recht einfach, wenn man weiß, wonach man sucht. Möchte man lieber individuell unterwegs sein, seine Surfzeiten flexibel einteilen und sich den sonstigen Urlaub selbst gestalten, dann sollte man einen Kurs bei einer Surfschule machen. Hier nur eben darauf achten, dass die Surfschule was taugt, da man sonst eine herbe Enttäuschung erleben kann.

Wenn man sich um so wenig wie möglich kümmern und viele Gleichgesinnte um sich herum haben will, dann ist man in einem Surfcamp bestens aufgehoben.

Und wer zwar lieber individuell (und nicht gerade Low-budget) reist, aber trotzdem nicht auf die Surf-Gesellschaft verzichten möchte, für den ist vielleicht eine Surflodge die passende Lösung.

 

Welche Arten von Surftrips hast du so erlebt und was gefällt dir am besten? Oder kennst du sogar noch irgendwelche guten Surfenschulen oder Surfcamps in Frankreich? Dann schreib mir gerne deine Erfahrungen in die Kommentare!

Alles Liebe, Hannah xx

Teil 1: ein Vorwort zum Thema Surfen in Frankreich und was dieses Land so besonders macht

Teil 2: die Surfspots an Frankreichs Atlantikküste

natural surf lodge surf school happy surfer

Dieses wundervolle, leicht dümmliche Grinsen kann nur eine gute Welle verursachen… Vergleichbar vielleicht mit frischem Verliebtsein, aber mit zusätzlichem Hyperventilieren, Lachen, und angehendem Suchtverhalten. Unter Surfern auch: STOKED.

Natural Surf lodge seignosse surf school

What a playground…

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