Uluwatu, Canggu, Padang Padang, Spots mit Weltruhm, Tuberider Contest und krasse Barrels, harte Typen und Wellen, die das ganze Jahr über wie Maschinen laufen. Über’s surfen auf Bali hört man viel, Bali scheint das Mekka für Surfer aus aller Welt zu sein. Haben wir gehört.

Wer von einem Surftrip zurückkommt, und von den Wellen erzählt, den hört man sagen: Nice, but not like Indo. Haben wir gehört.

Aber wie sieht es für Anfänger aus?

Für uns war klar: Wenn wir nach Australien kommen, werden wir uns keinen Surfunterricht mehr leisten können! 😀 Bali mit seinen schönen Wellen, der Surfkultur und den für uns niedrigen Preisen sollte also unser Lehrmeister werden. Doch gibt es auch Spots für Anfänger auf Bali?

Im Flugzeug nach Thailand lese ich im Surfer’s Magazine. Ein kurzer Artikel springt mir ins Auge: Surf Bali, ein neuer Surf Reiseführer, verfasst von den Mädels von Indojunkie, die so viel auf Bali sind, dass sie fast schon als Locals durchgehen. Zu dem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass Indojunkie auf Bali unsere zweite Bibel wird, ich weiß noch nichts von Medewi, dem Goldschatz zu dem sie uns leiten werden.

Aber das Buch klingt toll, ich kaufe es und es führt uns zu unserem ersten Stopp und unserer ersten Surferfahrung auf Bali: nach Canggu!

Surfen in Canggu

Canggu war vor wenigen Jahren noch ein kleiner Fischerort, heute ist er Digitale-Nomaden-Hochburg und Prenzlauer Berg von Bali. Ein fancy Café reiht sich an das andere, hier bekommt man Smoothiebowls, Coconut Flat Whites und frischen Saft an jeder Ecke. Allerdings auch zu saftigen Preisen, sodass wir uns hauptsächlich an das (zugegebenermaßen göttliche) Nasi Campur gegenüber von unserem Homestay halten. Canggu hat verschiedene Breaks, Batu Bolong Beach und Old Man’s, eine entspannte Longboarderwelle, werden unsere neuen besten Freunde. Und Ketut, unser Surfinstructor, der uns in die Geheimnisse des Tanzes mit den Elementen einweihen soll.

Wenn du in Canggu surfen willst, ohne dabei fünf weitere Anfänger zu überrollen, dann musst du früh aufstehen. Sehr früh. Also klingelt unser Wecker um 5:30 Uhr, um sechs holt Ketut uns ab und mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages springen wir in die Fluten. Und damit beginnt die Plackerei.

Wir sind beide schon vorher gesurft, in Frankreich und ich auch in Portugal. Ein bisschen was können wir also schon, sodass Ketut uns gleich ins Line-Up schickt. Die Wellen sind klein, gut für uns. Wir paddeln und paddeln und surfen und surfen und es ist einfach nur wunderbar! Ketut scheint immer zu wissen, wo sich die nächsten Wellen brechen, aber dennoch müssen wir ständig weiterpaddeln. Einmal fast bei ihm angekommen, bemerkt er, more left, more left! und weiter geht die Reise. Weiter nach rechts, weiter nach links, weiter raus, wieder näher an den Strand, Achtung, Set kommt, rauspaddeln, oh zu spät, taucht um euer Leben.

Doch dann wieder diese kurzen Momente, get ready, take this one!, der vertraute Schubs am Tail vom Board, aufspringen und schon gleitet man die wunderschöne, dunkelgrüne Wasserwand entlang Richtung Sonnenaufgang.

Adrenalin und pure Freude pulsieren in den Adern und die Welt ist einfach nur perfekt. Und dann, wenn die Welle wieder abschwächt und man zurück ins Meer sinkt, geht alles wieder von vorne los. Paddeln, paddeln, Schulterschmerzen, der Kampf mit dem Weißwasser und der Strömung. Im Channel rausgehen ist leichter gesagt als getan, wenn sich auf der ganzen Länge des Strandes Wellen brechen. Ketut scheint so nahe, nur noch eine Welle trennt uns, zack ist er wieder 20 Meter weiter.

Auf die harte Tour

Ich kann nicht mehr und meine Arme schmerzen, aber aufhören will ich auch nicht. Fast bin ich bei ihm, da ruft Ketut „more to the left!“, paddelt munter davon und ich fluche leise vor mich hin und fühle mich wie ein kleines Kind auf einer langen Autofahrt, dass alle fünf Minuten quengelt: Wann sind wir endlich daaaa?

Doch dann lerne ich zu lachen und alles zu akzeptieren, weil wir längst da sind. Wir sind hier, mitten im Ozean und er macht die Regeln. Alles ist ein riesiges Spiel, take it or leave it, und die Natur ist so präsent, so wild, so unbezwingbar. Man kann die Wellen nicht zähmen, aber man kann lernen, zu surfen. Mann kann über krasse Wipeouts und Schleudergänge schimpfen, oder man lacht einfach und lässt es geschehen, weil man es eh nicht ändern kann. Jede Welle geht vorrüber, und wenn man mal wieder eine wunderschöne Wasserwand hinuntersaust, lernt man, was es heißt, im Moment zu leben. Weil alles andere hier nicht zählt.

What doesn’t kill you makes you stronger!

Nach unserer ersten Session sind wir so zerstört, wie noch nie. Mit allerletzter Kraft schaffen wir es verwunderlicher Weise, ans Ufer zu kommen, alles schmerzt und wir sind bis auf den letzten Funken Energie ausgelaugt, ausgesaugt. Noch nie sind wir so viel gepaddelt, aber auch haben wir noch nie so viele grüne Wellen bekommen! Es ist äußerer Schmerz, aber innere Glückseligkeit.

Zurück in der Unterkunft kippen wir ins Bett und schlafen erstmal zwei Stunden, dann gibt es ein riesiges Nasi Campur zum Frühstück. So kann das weitergehen. Hoffen wir mal, dass unsere Armmuskeln das auch so sehen.

Bali hat uns echt verwöhnt mit seinen Sonnenuntergängen…!

Nach vier Tagen zehrender, aber lehrreicher Surferfahrungen werden die Wellen zu groß und wir gönnen unseren Muskel Pause. Das nächste Ziel steht schon bald fest: eine Woche Surfcamp im Norden von Bali, in einem kleinen Ort, der zwei Vorteile hat: erstens, er soll noch überwiegend untouristisch sein, zweitens, dort bricht die längste, linke Welle Balis.

Medewi!

Medewi ist das volle Wellenprogramm und hält alle Versprechen. Es ist klein, authentisch, untouristisch, grün, die Menschen sprechen kaum englisch, das Essen ist günstig und indonesisch, alle hier scheinen das Surfen zu lieben. Was anderes gibt es hier auch nicht!

Nichts außer endlosem, schwarzen Sandtrand, Pointbreak und Beachbreak, linke Wellen, rechte Wellen, Barrels und Close-Outs, Heldentaten und rasante Spülgänge. Und fröhliche Locals mit blitzenden Augen und glücklichem Lachen.

Das Leben im Camp sieht folgendermaßen aus: aufstehen, umziehen, surfen. Frühstücken, ausruhen, surfen. Essen, chillen, schlafen. Wir lieben es!

Die Leute sind cool und alle teilen die Leidenschaft in den Wellen. Wir genießen es, soziale Kontakte zu knüpfen, die länger andauern als 24 Stunden, schauen unseren balinesischen Surflehrern bei einem kleinen, local Surf-Contest zu und verbringen einen Abend bei Campmama Madé zu Hause, wo wir ein traditionelles Spanferkel grillen. Naja, vor allem essen, also alle außer mir. Aber das macht nichts, wir sitzen auf dem Boden um die zahlreichen Speisen, die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich und Adri ist im siebten Essens-Himmel.

Die Wellen fangen sehr hoch an und werden immer kleiner – zum Glück, denn in den ersten Tagen taucht die Furcht bei mir doch immer wieder auf. Besonders bei dem Beachbreak, wo wir in den ersten Tage öfters sind, scheinen die Wellen einfach gewaltiger. Monströser, zerstörerischer. Am ersten Tag geht es gut, auch wenn ich die meiste Zeit weit draußen sitze und nach Möglichkeit um alle nahenden Wellen herumpaddle, bis Budy, der Surflehrer, mich am Brett packt und festhält, bis ich die nächste Welle nehme. Okay, macht Spaß, ist alles nicht so schlimm. Die Wellen sind groß, aber sanft und die Spülgänge schnell vorbei.

Im Ring mit Poseidon

Aber am nächsten Tag sieht es anders aus. Es regnet, der Himmel ist dunkel und das Meer grau und aufgewühlt. Es sieht richtig böse aus, die Gischt weht hoch in die Luft und während die Surfguides einen Offshore-Freudentanz aufführen, merke ich nur, dass ich eigentlich nicht ins Wasser möchte. Warum ich es doch mache, weiß ich nicht, vielleicht weil ich nichts verpassen will, vielleicht, weil ich mich überwinden will.

Doch zuerst gilt es den Shorebreak zu überwinden, die riesigen Wellen, die sich direkt vorne am Strand brechen. Schwierige Angelegenheit, viele Anläufe und jedesmal wieder ein Rückzug, weil sich auf einmal aus dem nichts ein schwarzes Monster vor einem auftürmt und donnernd in die Tiefe kracht. Meistens schafft man es drüber, manchmal wird man weggerissen. Eine ruhige Sekunde muss sofort genutzt werden, um sich aufs Brett zu schmeißen und loszupaddeln, so schnell wie möglich aus dem Schlachtfeld aufs offene Meer. Wo es tiefer ist und man in Sicherheit.

Die Wellen sind durcheinander, als ich nach zahlreichen Versuchen endlich total erledigt draußen ankomme. Das Herzrasen beruhigt sich wieder, aber irgendwie bleibt die Angst. Das Meer sieht düster aus und die Wellen sind groß und chaotisch. Kaum einer bekommt etwas richtig Gutes heute und ich will einfach nur zurück. Das Problem ist: es gibt nur zwei Wege an den Strand.

Erstens: eine Welle bekommen und zum Strand reiten. Zweitens: Sich von einer Welle verprügeln und als Opfer an den Strand spülen lassen.

Beides wenig attraktiv, so bleibe ich erstmal hier, machtlos, den Tränen nahe. Das Spiel geht etwa eine halbe Stunde, bis es mir echt reicht. Entweder nehme ich jetzt eine Welle, oder ich lasse mich zum Strand spülen, egal, Hauptsache raus. Budy hilft mir, beruhigt mich und schubst mich in eine heranrollende Welle. Die Nose taucht ins Wasser und ich überschlage mich, aber es ist nicht schlimm, weil ich weiß, dass all das bald zu Ende ist. Als ich wieder an die Wasseroberfläche komme, nähert sich schon die nächste Welle. Ich lege mich weit hinten auf das Board, halte mich fest und ab geht die Post! Heute ist kein Tag für frühe Takeoffs und weitere Heldentaten, ich lasse mich liegend an den Strand spülen. Aber ich lebe und ich habe gelernt: manchmal sollte man einfach auf sein Bauchgefühl hören.

Der Medewi Point ist ein wunderbarer Spielplatz für Surfer.

Die Welle bricht ewig, immer an der gleichen Stelle und schön eine nach der anderen. Mit ein wenig Gefühl für den richtigen Moment, kommt man ins Line-Up, ohne sich auch nur durch eine einzige Weißwasserwalze kämpfen zu müssen. Der erste Point-Break, den ich surfe, und ich liebe es!

Ich reite die längste Welle meines Lebens und bin überglücklich, auch wenn es mich am folgenden Tag bei einem Spülgang einmal kräftig über einen Felsen zieht und mein Knie und mein Fuß heftig aufgekratzt werden. Es gehört dazu, es gibt sicher Schlimmeres im Leben. Solange ich weiterhin ins Wasser gehen kann!

Surfguide Sole genießt seinen Job… 😀

Die Wellen werden kleiner und ebenso mein Board. Stolz surfe ich am Ende der Woche ein 7.2 Fuß langes Board mit spitzer Nose, kriege meine eigenen Wellen und habe den Dreh mit den Turns einigermaßen raus. Auch Adri, der sich furchtlos in alle Wellen stürzt, verbucht mehr und mehr Erfolgserlebnisse auf dem Wellenkonto. Viel zu schnell geht diese Woche rum und schweren Herzens verabschieden wir uns von diesem wundervollen Ort. Wir wissen:

Wir werden wiederkommen!

Mystic mornings in Medewi…

Nach Bali, nach Medewi, an genau diesen Ort. Die Menschen und die Wellen sind einfach zu toll. So geht es übrigens nicht nur uns, viele andere Surfer hier im Camp kommen schon seit Jahren immer wieder an diesen Ort.

Also verabschieden wir uns schweres Herzens am Ende der Woche, wissend, dass es nicht für immer sein wird.

Bis bald, beautiful Medewi!


Canggu-Vlog:

 

Medewi-Vlog:


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