phetchaburi Prana Khon kiri temple

Den kleinen, herzlichen Ort, der von dem Tourismustsunami, der Thailand in den letzten Jahren überrollt hat, weitgehend verschont geblieben ist, schließen wir direkt ins Herz. Das einzige Manko sind die vielen Mücken und nach einem extrem intensiven Abendessen mit den kleinen Blutsaugern tun wir, was man einfach nicht tun sollte: wir googeln die Malaria-Gefahr in Thailands einzelnen Gegenden. Die Recherche bleibt erstmal beruhigend, Thailand ist eher unproblematisch, doch der Zusatz knallt rein: das Risiko steigt in den Grenzgebieten, besonders der Region Phetchaburi.

Waaaaas? Jeder einzelne Stich ist nun mehr als ein kleines Jucken, jeder einzelne Stich könnte Malaria sein, eine heftige Krankheit oder der Tod, sollte sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Wir schieben ein bisschen (total angemessene, denn Hallo, wir sehen dem Tod ja schon direkt ins Auge) Panik. Doch schon bald haben wir uns von unserer Nahtoderfahrung erholt und können uns wieder voll und ganz auf den Alltag in Phetchaburi konzentrieren.

Das heißt: aufs Anschalten der Klimaanlage, Essen kaufen und chillen. Wir sind immerhin schon fast eine Woche unterwegs, da muss man schonmal entspannen! 😀 Nein, tatsächlich fühlen wir uns, als wären wir schon ewig unterwegs. In den letzten Tagen haben wir schon so viel erlebt, so viele neue Eindrücke gesammelt, sind so viel rum- und weitergereist, dass wir den ruhigen, sauberen, kühlen Raum, die superliebe Gastgeberin und das Gefühl des Nichtstuns in vollen Zügen genießen.

Warum eigentlich Phetchaburi?

Dennoch gibt es einen Grund, dass wir hier sind: ein Foto auf Instagram. Das ich vor Jahren mal gesehen habe und mir nur dachte, Wow – wenn ich irgendwann Mal in der Nähe bin, muss ich da hin! Und hier sind wir, in Phetchaburi, in der Khao Luang Cave und es ist noch beeindruckender als ich es mir vorgestellt hatte.

Riesige Stalakmiten ragen aus dem steinigen Untergrund und spitze Stalaktiten hängen über all von der Decke der gigantischen Tropfsteinhöhle, in die wir gerade ehrfürchtig hinabsteigen. Ein schmales Tor zwischen zwei hohen Felssäulen bietet eine natürliche Pforte in das mysteriöse, magische Dunkel, das im Inneren verborgen liegt.

Khao Luang Cave Phetchaburi

Wir betreten eine andere Welt. Die Luft ist anders, die Zeit ist anders, und natürlich die Umgebung. Wenn man zuerst denkt, hier im Schatten der Höhle sei es kühler, dann täuscht das. Das merkt man spätestens, wenn einem die dicken Tropfen aus den Haaren übers Gesicht laufen, und das liegt nicht an dem Wasser, das hier ab und zu hinunter tropft.

Die Höhle ist riesengroß und sehr ruhig, nur wenige Touristen sind außer uns hier. Was wir sehr genießen, aber nicht ganz verstehen können – für mich persönlich zählt es mit Abstand zu den schönsten und beeindruckendsten Tempelanlagen, die ich je gesehen habe. Denn ja, diese Höhlen sind ein Tempel! Überall stehen goldene Buddhastatuen und kleine und große Anbetungsstätten. Durch ein großes Loch in der Decke der Höhle hängen Lianen und Wurzeln herab und geben den Blick auf etwas dichtes Grün und den blauen Himmel frei. Wunderschön! Noch schöner ist das Sonnenlicht, dass in dichten, weißen Strahlen in die Höhle fällt und beinahe beeindruckender anzusehen ist, als die Höhle selbst.

Phetchaburi khao luang cave

Khao Luang Cave Phetchaburi

Auch wenn ich hier ewig stehen, schauen und staunen könnte, treibt uns die schwüle Hitze bald wieder ans Tageslicht. Wir fahren mit dem Fahrrad weiter und landen am Fuße des kleinen Berges, an den Phetchaburi sich anschließt. Das Besondere auf hier: auf den drei Gipfeln befinden sich eine alte Palastanlage und zwei Tempel des ehemaligen Königs von Thailand. Heute sind sie ein Museum und man kann sie besichtigen, und weil wir ja noch nicht genug geschwitzt haben, steigen wir auch munter die steile Straße hinauf.

Der Affenpalast

So viele Affen haben wir noch nie gesehen! Ich bin entzückt, als eine Affenmami an mir vorbeispringt, an dessen Bauch sich ein Baby festklammert. Adri lacht laut auf, als es zwei Affen direkt vor uns auf der Straße treiben. Wir beide kriegen Schiss, als ein Affe uns die Zähne zeigt und laufen so zügig und unterwürfig wie möglich durch das Gewusel.

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Der Palast ist eine Mischung aus europäischer Architektur (die Häuser erinnern an die in Spanien) und chinesischer Baukunst (klar zu erkennen an den verzwirbelten Dächern). Und er ist wunderschön! Keine fünf Minuten dort, beneiden wir den König um die unglaubliche Aussicht, die man vom Palast aus hat. Und bewundern mal wieder Thailands wundervolle grüne, bergige Landschaften.

Der Weg vom Palast zu den zwei Tempeln erinnert stark an Temple Run und wir sind froh, dass uns kein Monster auf den Fersen ist! 😀 Zu schön sind die Wege, als dass man sie langrennen möchte, und zu heiß ist es sowieso. Wir werden nicht enttäuscht und mit einer ebenso bombastischen Aussicht wie im Palast belohnt. Davon kann man nicht genug kriegen. Oder doch, denn wir dehydrieren langsam, trotz der drei Liter Wasser, die wir im Gepäck haben (oder besser gesagt: hatten).

Also geht es zurück zur Unterkunft und unter die Dusche, natürlich nicht ohne noch anzuhalten um zwei gekühlte, frische Kokosnüsse mitzunehmen. 😉

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Eindringling oder willkommener Gast?

Am nächsten Tag machen wir uns wieder auf Erkundungstour, durch den Ort und zu kleineren Tempeln. Das Problem ist nur: Hier herrscht reger Betrieb und wir sind unsicher, ob wir dazustehen dürfen, oder nicht. Die betenden Menschen vor goldenen Statuen, die Räucherstäbchen und Blumenopfer, die Mönche in ihren orangenen Gewändern; wir fühlen uns so fehl am Platz, so unsicher, so fremd, wie Eindringlinge. Aber die prunkvollen, weißen Türme ragen so lockend und spitz hinter den Eingangsmauern hervor, die schöne und friedliche Energie fasziniert mich so sehr, dass ich nicht gehen will.

Ich setze mich an den Rand und sehe den Menschen zu, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was hier passiert. Ich kenne mich mit ihrer Religion und ihren Riten nicht gut aus, aber ich glaube auch an Gott und ich bete und bitte ihn, mir den Weg zu zeigen. Von neuem Mut und Neugier gefasst, ziehe ich meine Schuhe aus und betrete den Tempel. Sofort sieht mich ein Mönch, der neben der Tür sitzt, freundlich an und sagt „Welcome“. Ich bin dankbar für dieses kleine bisschen Sicherheit, das ich gebraucht habe, betrete den Raum endgültig und setze mich ganz an den Rand auf den roten Teppichboden.

Die fernöstlichen Weisheiten und Philosophien und ihr Zugang zur Religion und dem Leben im Einklang mit dem Göttlichen faszinieren mich sehr. Hier scheint alles so friedlich, so voller Hingabe und Liebe, wie ich es in den Kirchen bei uns nur selten erlebe. Ich würde gerne mehr von diesen Menschen und ihrem Glauben erfahren, aber dafür ist dieser Aufenthalt nicht geeignet. Zu kurz ist unsere Zeit, zu gering ist Adri’s Bedürfnis, sich tiefer mit dem Thema auseinander zu setzen, so dass wir unsere Zeit hier anderen Dingen widmen. Aber in meinem Kopf nehme ich mir fest vor, einmal mit meiner besten Freundin hierher zurück zu kehren und mich mehr auf all das einzulassen.

Trotzdem würde ich so gerne noch das Innere dieses Tempels sehen, den großen Hof mit dem spitzen, riesigen Turm, wie es für Thailands Tempel so typisch ist. Voller Vertrauen wende ich mich also wieder an Gott und bitte ihn, mich an die Hand zu nehmen und mir den Weg zu zeigen, als plötzlich wieder ein Mönch vor mir steht. Ohne sichtbaren Grund weist er mit der Hand auf den Gang, der an den goldenen Buddhastatuen vorbei und aus dem Raus hinaus in den Tempelhof führt und sagt lächelnd: „You can go!“

Im Herzen des Tempels und des wahren Thailands

Schon wieder kurz vorm Platzen vor Dankbarkeit stehe ich auf, danke ihm und betrete das Herz des Tempels. Und es ist noch schöner, als ich von außen erahnt habe. Weiß, aufwendig verziert und riesengroß ragt der Hauptturm vor mir in den Himmel und überwältigt mich einfach nur mit seiner Schönheit. Er sieht ähnlich aus wie der Wat Arun in Bangkok, etwas kleiner und ganz in weiß, aber hier bin ich die einzige Person. Ich bin ganz alleine, ich stehe in Socken auf dem steinigen, glatten Boden und staune und staune und bemerke dann erst, dass der Mönch hinter mir aus der Tür getreten ist. Er lächelt und obwohl sein Englisch offenbar auf höchstens fünf Wörter begrenzt ist, glaube ich, dass er meine Bewunderung versteht. Dann bittet er mich, mit seinem Handy ein Selfie von uns zu machen! Ich bin verblüfft, aber leiste seinem Wunsch folge. Er steigt die Stufen auf die erste Ebene des Tempels hinauf und bedeutet mir, ihm zu folgen.

Ich kann es immer noch nicht fassen und ich würde gerne so viel wissen, so viele Fragen stellen, aber unsere Kommunikationsmöglichkeiten sind begrenzt. Ich merke, dass er zwar einige englische Phrasen kennt, aber vermutlich kein Wort von dem versteht, was ich sage oder frage. Wozu läutet man die Glocken? Was ist da oben in dem Turm, was macht man dort, und wer steigt dort hinauf? Diese Fragen und noch viele mehr brennen mir auf der Zunge, aber jeder Versuch endet in einem betretenen Lachen von uns beiden, weil er nicht versteht, was ich frage und ich nicht verstehe, was er versucht zu antworten. Also lassen wir es und widmen uns wieder dem stillen Lächeln. Ich darf die Glocken läuten und einmal die steilen Treppen nach ganz oben steigen und die Aussicht bewundern, auch wenn die Tür geschlossen bleibt und der Turm mir sein Geheimnis noch nicht preisgibt. Vielleicht ist es einfach noch nicht an der Zeit. Oh, und ich erfahre, dass er Mario Götze Fan ist. Witzig.

Bis zum nächsten mal mit Peace, Love & Coconuts,


Phetchaburi-Vlog Khao Luang Cave & Palast:

Phetchaburi-Vlog liegender Buddha & Nachtmarkt (THAI FOOD):

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