Ich schaue aus dem Fenster, während dickes Bambusgestrüpp, Palmen und die immer bergiger werdende Landschaft an mir vorbeizieht. Adri neben mir, ab und zu grinsen wir uns an, denn wir können es immer noch nicht ganz glauben, wie gut das Schicksal mit uns gespielt hat. Diese Zufälle gibt es tatsächlich! Und jetzt sind wir auf dem Weg zu den wunderschönen, ruhig gelegenen Wasserfällen, von denen wir gestern noch geglaubt hatten, sie wären unerreichbar für uns.

Wie wir jetzt hier her gekommen sind? Dafür gehe ich am besten nochmal einen Tag zurück.

Schon nach wenigen Tagen auf Weltreise fühlt es sich an als wären wir schon ewig unterwegs. Und irgendwie ist doch alles noch so neu. Unsere Reiseplanung bekommt langsam etwas, was man Routine nennen könnte. Wir kommen an, richten uns ein. Wir erkunden die Gegend, meist zu Fuß, checken Essenmöglichkeiten und Umgebung ein wenig ab. Besuchen Sehenswürdigkeiten, sofern vorhanden, oder lassen uns einfach durch die Straßen treiben, während wir das lokale Leben aufsaugen.

Wir sind in Kanchanaburi!

Hier in Kanchanaburi ist es vergleichsweise zu Bangkok sehr ruhig und entspannt. Touristisch scheint es sehr gut erschlossen, auf dem Weg zur Unterkunft spricht uns dennoch kaum einer an und versucht uns einen maßgeschneiderten Anzug, etwas zu Essen oder sonst einen Kram zu verkaufen oder in sein Taxi oder Tuttuk zu locken. Es gibt mehr grün, mehr Lächeln und weniger Dreck. Die Luft kann man atmen. Hach, wie schön! Dafür sprechen die Leute quasi kein Englisch, und wir wieder so super abenteuerlich individuell ohne Internet unterwegs, empfangen einige verständnislose Blicke, bis wir uns endlich zu unserer Unterkunft durchgeschlagen haben. Bamboo House River Kwai, der Name ist Programm: unser kleiner Bungalow schwimmt auf dem Fluss, bei jedem Boot schwankt er auf und ab! Aus der Tür blickt man direkt auf den Fluss, das Häuschen ist urig, wenn auch sehr einfach: es liegen zwei Matratzen auf dem Boden, darüber hängt ein Moskitonetz, an der Wand steht ein Ventilator, das wars. Aber es reicht uns und wir sind glücklich – immerhin zahlen wir hier 3,50 pro Person für eine Nacht, unsere Erwartungen waren viel niedriger.

Auch Kanchanaburi als Ort schleicht sich direkt in unser Herz. Nach dem stinkigen, stressigen Rummel in Bangkok genießen wir die Ruhe. Wir schlendern entspannt zur River Kwai Bridge, der berühmten Brücke über den River Kwai (surprise, surprise) und gucken uns auf dem Markt um. Kokosnüsse für 30 Baht (77 cent), Jihaa! In Bangkok war alles teurer und der kühle Saft ist köstlich und erfrischend. Als wir fertig sind, schneidet die Verkäuferin uns die Kokosnuss auf und wir können das noch weiche Fleisch mit einem Löffel herauskratzen. So lecker!!

Unser Bungalow direkt auf dem Fluss!

Wie das Schicksal es will

Zurück in der Unterkunft Fortsetzung der Reiseroutine: weitere Reiseplanung. Wir sitzen also mit Laptop und Reiseführer bewaffnet in der „Lobby“ (eigentlich nur eine überdachte Rezeption) wo es einen Ventilator gibt. In der Nähe gibt es diese Wasserfälle, habe ich mal gelesen. Also nicht diese ganz bekannten Erawan Wasserfälle, sondern welche, die noch eher unentdeckt sind – allein dieses Wort hatte mich geködert, doch jetzt finden wir heraus, was unentdeckt wirklich bedeutet. Nämlich, dass es erst seit fünf Jahren überhaupt dort eine Straße hin gibt und öffentlichen Verkehr schon gar nicht. Und auch keine Stadt in der Nähe. Mit einem Roller können wir unmöglich die weite Strecke fahren und wir recherchieren und recherchieren und die Laune sinkt und wir stehen kurz davor, uns von dem Traum zu verabschieden.

Da dreht sich der Mann vor der Rezeption um und fragt mich, ob er vielleicht kurz meinen Laptop benutzen darf, um ein paar Überweisungen zu machen. Er ist Deutscher, mit seiner Freundin hier und wir verstehen uns gut. Es folgt viel Gerede, aber kurz gesagt kam das dabei heraus: „Wir haben ein Auto – wir könnten doch zusammen da hin fahren!“

Also sind wir gerade zu viert, mit Sebastian und Sandra unterwegs zu den Huay Mae Khamin Wasserfällen. Man fährt von Kanchanaburi knapp zwei Stunden und wir sind so froh über diese Gelegenheit! Die Fahrt alleine lohnt sich schon – die Landschaft wird zunehmend bergiger, wir sind von dichtem, satten Grün umgeben und ab und zu tauchen am Wegrand kleine Holzhütten auf, die einen Einblick über das ursprüngliche thailändische Leben geben.

Bei den Huay Mae Khamin Wasserfällen

Wir sind da und frischen erstmal unsere Mückenspray-Schicht auf. Wenn man dachte, am Fluss in Kanchanaburi gibt es viele Mücken, dann war man noch nicht hier – so wie wir eben. Aber auch das bremst die Neugier auf den sagenumwobenen Wasserfall nicht! Wir haben nur drei Blogposts insgesamt dazu gefunden, einer auf englisch. Gut, bald ist es einer mehr 😀

Und tatsächlich sind wir teilweise ganz alleine auf dem Pfad unterwegs, der uns durch das dichte Bambusdickicht entlang des Wasserfalls führt. Der Huay Mae Khamin Wasserfall hat sieben Stufen, die sich in unterschiedlich ausgeprägter Größe und Anmut die natürlichen Stufen herunterstürzen. Der größte und eindrucksvollste ist die vierte Stufe, das Aushängeschild des Wasserfalls, aber auch alle anderen sind schön anzusehen. Dichtes grünes Blätterwerk rund um uns, Lianen und Luftwurzeln, Wasserrauschen, Zirpen von unendlich vielen Tierchen und die vielen bunten, kleinen und großen Schmetterlinge, die uns ständig umflattern, geben den richtigen Dschungelflair und die ersten drei Stufen ist der rutschige Pfad noch ein echtes Abenteuer. Man merkt, dass die unteren vier die besser besuchten Fälle sind, denn hier führt ein Holzsteg entlang.

Schwimmen im natürlichen Pool der Welt!

Und als wir nach etwa ein bis zwei Stunden den gesamten Wasserfall entlanggelaufen sind (nein, so lang ist die Strecke nicht, aber man bleibt ja ständig stehen um Fotos zu machen oder einfach zu staunen), haben wir die Qual der Wahl: jetzt gilt es nämlich, einen der natürlichen Pools auszusuchen, um hineinzuspringen! Natürlich nicht springen, das ist verboten, aber eben hineinzuwaten. Wir sind ja gerade am Ende der Regenzeit und so ist der Wasserfall prall gefüllt und reißend, aber die Becken sind groß genug, dass die Strömung gar nicht so stark ist, wie man vermuten könnte und es ist einfach herrlich!

Das Szenario ist perfekt und das kühlende Nass tut so gut. Wir schwimmen und planschen, quietschen und staunen. Eine traumhafte Szene und genauso toll, wie man es sich vorstellt – nein, besser, weil real. Die Natur überwältigt und das Herz schlägt Purzelbäume, meins zumindest, weil ich total begeistert bin. Lautes Lachen, das Vogelgezwitscher, das Rauschen des Wasserfalls und das kühlende Wasser, während goldene Lichtstrahlen durch das dichte Blätterwerk fallen und helle Punkte auf das braune Wasser malen. Hach! Es stimmt schon, wenn die Leute sagen, die Natur malt die schönsten Bilder.

Zelten kann man in dem Nationalpark auch, und wenn wir nicht so angewiesen auf unsere Mitfahrgelegenheit wären, dann wäre das definitiv eine Option für uns! Aber so lassen wir uns noch kurz in dem lokalen Restaurant nieder, wo leider keiner Englisch spricht, aber wir nach langem herumgestikulieren ein kleines Mittagessen für 38 Cent (für uns beide!) zu uns nehmen.

Auf der Heimfahrt ist es ruhig im Auto, alle hängen erschöpft in ihren Sitzen, Sandra schläft ein und auch unsere Augen fallen immer wieder zu. Wir freuen uns auf unsere neue Unterkunft, ein Bungalow mit eigenem Bad, großem Doppelbett und einem Pool! Auch wenn der dem von heute sicher nicht das Wasser reichen kann (haha das Wasser reichen). Das war Auswahlkriterium, denn bei der drückenden Hitze hier ist es das Einzige, was hilft. Und eine ordentliche Portion Pad Thai und Fried Rice zum Abendessen.

Was für ein Tag. Hier bleiben wir noch eine weitere Nacht, bevor es weiter geht.

Übermorgen machen wir uns auf Richtung Süden!


 Kanchanaburi-Vlog

 

 Nationalpark-Vlog

 

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